Arbeitsgruppe Stadt- und Bevölkerungsgeographie

Konstituierung transnationaler Händlernetzwerke. Sozioökonomische Organisation afrikanischer Migranten in Guangzhou/China.

  Die Megacity Guangzhou bildet im Herzen des Perlflussdeltas eines der prosperierenden Zentren der chinesischen Industrieproduktion und avancierte in den letzten vier Dekaden zum Dreh- und Angelpunkt des nationalen sowie globalen Handels. Wesentlicher Bestandteil dessen bilden sino-afrikanische Waren- und Kapitalströme, die mittels transnationaler Händlernetzwerke die steigende Nachfrage nach chinesischen Konsum- und Industriegütern auf dem afrikanischen Markt befriedigen. Einen zunehmenden Teil der Netzwerkakteure machen afrikanische Migranten aus, die sowohl formell als auch informell als selbständige Händler in der südchinesischen Handelsmetropole agieren. Ihre sozioökonomische Einbindung in sich konstituierende Netzwerkstrukturen sowie die sich daraus ergebenden Handlungsoptionen im sino-afrikanischen Wirtschaftsgefüge stehen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Dabei sollen aus einer humangeographischen Perspektive handlungstheoretische Konzepte mit institutionenbasierten, strukturellen Ansätzen zusammen geführt werden.
 


Förderung: DFG 2010-2014

Projektleiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Angelo Müller

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Urbane Konflikte in Santiago de Chile und Buenos Aires. Zum Wandel von Rahmungen und politischen Praktiken in der Stadtentwicklung durch soziale Bewegungen und Bürgerinitiativen.

  Stadtentwicklungskonflikte in Lateinamerika sind geprägt von wach­sen­den Widerständen gegen neoliberale städtische Logiken. Dabei fällt auf, dass eine Gegen­über­stellung unter­schiedlicher Widerstandsformen und der damit verbundenen poli­tischen Auswirkungen bis­lang wenig Berücksichtigung in der Forschung fand. Während mittlere (bis höhere) Einkommens­schichten mehr Mitsprache bei Themen wie bauliche Ver­dichtung und Hochhaus­bau fordern, beziehen sich die For­derungen marginalisierter Schichten auf Themen wie den Zugang zu menschenwürdigem Wohnen, Gentri­fizierung und Verdrängung. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, inwieweit urbane Konflikte zu einem Wandel von stadtpolitischen Arrangements und zu einer Emanzipierung des Städtischen in entpolitisierten urbanen Konstellationen beitragen. Dafür werden in Santiago de Chile und in Buenos Aires vier Konflikte unter­sucht. In jeder Stadt verorten sich ein Konflikt in einem Stadtteil der (oberen) Mittelschicht und ein weiterer in einem ärmeren bis sozial heterogenen Teil der Stadt. Theoretisch-konzeptuell bedient sich die Studie vor allem Ansätzen radikaler Demokratie und raumbezogener contentious politics. Um die zentrale Forschungs­frage zu beantworten, wird eine Rahmenanalyse durchgeführt.
 
Förderung: Elsa Neumann Stipendium, Exzellenzinitiative der Humboldt Universität zu Berlin: 2010-2014

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Corinna Hölzl

Analysis of Informal Dynamics in Mega Urban Areas – Based on Spatial Structure and Steering Mechanisms Focused on Water in the Pearl River Delta

  Megastädte als neue Phänomene globaler Urbanisierungsprozesse zeichnen sich zunehmend durch einen bislang nicht gekannten Verlust an Regier- und Steuerbarkeit aus mit der Folge, dass hochkomplexe megaurbane Entwicklungsprozesse in verstärktem Maße informell oder illegal ablaufen. Megastädte der Gegenwart unterliegen nicht nur einer wachsenden Konzentration von Bevölkerung, Infrastruktur, Wirtschaftskraft und Kapital bzw. einer exzessiven Beschleunigung aller Entwicklungen, sondern vor allem einer Gleichzeitigkeit und Überlagerung verschiedenster Prozesse mit wechselseitigen Rückkopplungen.

Ziel des DFG-Projektes ist es, am Beispiel des Perlflussdeltas in der südchinesischen Provinz Guangdong, Auswirkungen globalen Wandels auf die Entwicklung und Reorganisation sozioökonomischer und institutioneller Beziehungen nachzugehen und Theorie- und Modellansätze zu erarbeiten, welche zur allgemeinen Erklärung informeller Prozesse und Strukturen in Megastädten geeignet sind. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Kollegen der RWTH Aachen durchgeführt: Prof. Dr. Rafig Azzam, Lehrstuhl für Ingenieurgeologie und Hydrogeologie (Projektphasen 1-3), und Prof. Dr. Christian L. Krause, Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur (Projektphase 1).

Schwerpunktthemen Projektphase 1 (2007-2009): Globaler Wandel, In-/Formalität, soziale und ökologische Vulnerabilität, Stadt- und Regionalplanung Guangzhou/Perlflussdelta.

Schwerpunktthemen Projektphase 2 (2009-2011): Stress, Emotionen, Kognitionen und Coping im Kontext urbaner Transformationsprozesse, Schnittstelle Psychologie/Geographie, In-/Formalität.

Schwerpunktthemen Projektphase 3 (2011-2013): Resilienz, Risiko-/Schutzfaktoren, Glurbanization, Urban Governance, Inter-/Transdisziplinarität.

 

Projektleiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Mitarbeiterin: Anna Lena Bercht

Förderung: DFG-Schwerpunktprogramm 1233 "Megacities-Megachallenge – Informal Dynamics of Global Change" (Projektphasen I-III)

Zeitraum: 2007-2013

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Wohnungsteilmärkte und lokale Handlungslogiken am Beispiel studentischer Wohnungsmärkte

  In vielen deutschen Universitätsstädten kam es in den letzten Jahren zu deutlichen Anspannungen auf den Wohnungsmärkten (vgl. BBSR-Analysen KOMPAKT 09/2014). Gerade in zentralen Lagen, welche als traditionell von Studierenden bevorzugte Wohnstandorte bezeichnet werden können, sind hohe Nachfrageüberhänge zu beobachten. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der jungen Menschen, welche eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben und sich zur Aufnahme eines Studiums entscheiden, weiter zu. In den nächsten Jahren ist deswegen mit einer konstant hohen Nachfrage von Studierenden nach bezahlbarem Wohnraum auszugehen.

Auf diese Entwicklungen wird von unterschiedlicher Seite reagiert: Gemeinnützige Wohnheimanbieter planen Kapazitätserweiterungen, private Investoren erkennen "student housing" als erfolgreiche Anlageobjekte und kommunale Akteure versuchen, durch Förderprogramme die Nachfrage in bisher von studentischer Seite wenig beachtete Wohnquartiere umzuleiten. Die Handlunglogiken der beteiligten Akteursgruppen und die Folgen bezogen auf die Wohnstandortverteilung und -situation von Studierenden sind die zentralen Untersuchungsfelder dieses Forschungsprojekts.
   
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Jesko Mühlenberend
 
Wohnungsteilmärkte und lokale Governancestrukturen am Beispiel studentischer Wohnungsmärkte (Arbeitstitel) - Dissertationsvorhaben
 
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Stadterweiterung durch Großprojekte: Akteure, Interessen und Strategien am Beispiel von Santiago de Chile

 

Das Dissertationsprojekt hat die akteursorientierte Analyse der Planung von städtebaulichen Großprojekten am Stadtrand von Santiago de Chile zum Gegenstand. Wie in anderen Metropolen der Region, entstehen in Santiago seit mehreren Jahren private Großprojekte einer 'Qualität', die mit hergebrachten Mustern der Stadtentwicklung brechen. Häufig über erhebliche Mengen an internationalem Finanz- und lokal verankertem Sozialkapital verfügende private Immobilienentwickler initiieren, planen und implementieren auf der 'grünen Wiese' neue Stadtviertel als Paketlösung, d.h. Wohnprojekte für je bis zu 100.000 Einwohner mitsamt Versorgungs-, Verkehrs- und Sozialinfrastruktur. Während die zuständigen staatlichen Behörden auf regionaler und nationaler Ebene diese Form des privaten, inselhaften Städtebaus fördern und zur offiziellen Stadtentwicklungspolitik machen, haben es sowohl die lokalen Behörden in den betroffenen Bezirken als auch Anwohner und andere zivilgesellschaftliche Akteure zunehmend schwer, ihren Interessen nennenswert Gehör zu verschaffen.

Am Beispiel von zwei Kommunen, die besonders starkem Entwicklungsdruck unterliegen, und wo eine ganze Reihe von privaten Großprojekten schon entstanden oder kurz vor Baubeginn sind, werden die Interessen, Strategien und Handlungsrationalitäten der einzelnen öffentlichen und privaten Akteure im Zusammenspiel der unterschiedlichen Handlungsebenen (lokal, regional, national) untersucht. Inwiefern institutionalisiert sich in Santiago ein neuer Modus öffentlich-privater Stadtrandentwicklung, und was bedeutet dies für – in Chile auf urbaner Ebene aktiv propagierte – Grundsätze demokratischer Entscheidungsfindung wie Partizipation und Transparenz?

 

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Michael Lukas

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Transnationale Migration: Ecuadorianer zwischen Heimat, Deutschland und Spanien

 


Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Ina v. Schlichting

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