Arbeitsgruppe Stadt- und Bevölkerungsgeographie

Monographien und Sammelbände

Gilles, A. (2015): Sozialkapital, Translokalität und Wissen. Händlernetzwerke zwischen Afrika und China. Stuttgart, Franz Steiner Verlag (Erdkundliches Wissen. Schriftenreihe für Forschung und Praxis, Band 158)

Kurztext

Im Zuge wirtschaftlicher Transformationsprozesse avancierten die ostchinesischen Küstenprovinzen zu Knotenpunkten nationaler wie globaler Waren- und Kapitalströme. Vor allem die Stadt Guangzhou im Perlflussdelta entwickelte sich zu einem Zentrum exportorientierter Industrien und zu einer der am schnellsten wachsenden Metropolen der Welt. Als eine Folge aber auch als Triebkraft dieses Prozesses nehmen nicht nur intranationale Land-Stadt-Wanderungen zu – auch internationale Wanderungsbewegungen führen zu neuartigen Migrationsregimen.

Hier eröffnet die Analyse der Entstehung, Aufrechterhaltung und Transformation translokaler Händlernetzwerke zwischen Afrika und China sowie inhärenter Migrationsformen und Organisationsmechanismen ein junges und noch unzureichend bearbeitetes Forschungsfeld. Die Studie zeigt durch einen Verschnitt individualistisch-handlungstheoretischer und kollektivistisch-praktikentheoretischer Erklärungsmodelle eine relationale, sozialräumliche Perspektive auf diese Netzwerke und liefert mit der Auseinandersetzung um Ressourcen, Organisation und unternehmerische Handlungsfähigkeit einen vielschichtigen Erklärungsbeitrag für die grenzüberschreitenden Lebens- und Wirtschaftsweisen von Migranten.

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Hölzl, C. (2015): Protestbewegungen und Stadtpolitik. Urbane Konflikte in Santiago de Chile und Buenos Aires. Bielefeld.

In 2010, some 13,000 people occupied the second-largest park in Buenos Aires, located in the most deprived area of the city. The city and state governments reacted with violent repression leading to three deaths. After government officials promised that a housing program would be provided, the problem was viewed as “solved.” However, four years later not a single home had been built. Interpretive frames and political practices in Buenos Aires were influenced by the conflict, and this ultimately strengthened the positions of the national and local governments. This, in turn, intensified structural discrimination against lower-income groups in Buenos Aires. Thus, far from bringing about sustainable housing solutions, the occupation reinforced policies of security and sanction.

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Massmann, F. (2015): Hochwasser in Bangkok. Verwundbarkeiten und Handlungsstrategien. In: Kieler Geographische Schriften 126. Kiel.

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Haubrich, D. (2015): Sicher unsicher. Eine praktikentheoretische Perspektive auf die Un-/Sicherheiten der Mittelschicht in Brasilien. Bielefeld.

Warum werden wir immer unsicherer, obwohl wir uns immer stärker absichern? Dominik Haubrich nähert sich dieser dialektischen Frage am Beispiel der brasilianischen Metropole Sao Paulo. In einer empirisch originellen und theoretisch fundierten Erkenntnisreise durch die Alltagsgeschichten der städtischen Mittelschicht betrachtet er das gewöhnliche Tun und Sagen von Sicherheit, Gewissheit und ...

Bercht, A. L. (2013): Stresserleben, Emotionen und Coping in Guangzhou, China. Mensch-Umwelt-Transaktionen aus geographischer und psychologischer Perspektive. Stuttgart.

Zusammenfassung:

Noch vor rund 35 Jahren war die Volksrepublik China vom Ausland und von zunehmenden Globalisierungsprozessen weitestgehend politisch abgeschottet und nur marginal in den Welthandel integriert. Heute zählt China im Zuge der 1978 eingeleiteten Reform- und Öffnungspolitik zur zweitgrößten Volkswirtschaft weltweit. Bislang unbekannte Dimensionen wirtschaftlichen Wachstums, städteräumlicher Expansionen und urbaner Transformationsprozesse kennzeichnen den dynamischen Entwicklungsprozess, der sich vor allem am Beispiel der im südchinesischen Perlflussdelta gelegenen Megastadt Guangzhou vertiefend demonstrieren lässt. Vor dem Hintergrund eines stark wachsenden Positionierungs- und Profilierungsdrucks im regionalen, nationalen und internationalen Städtewettbewerb verfolgt die Stadtregierung von Guangzhou das Ziel, mit der Konstruktion der „Guangzhou South Railway Station“, dem größten Bahnhof ganz Asiens, die Stadt zu einem der wichtigsten Drehkreuze für den Personentransport Chinas aufrücken zu lassen.

Anhand dieses – in dem im periurbanen Raum gelegenen Dorf Shibi Village – durchgeführten Megaprojektes als Fallbeispiel für urbane Transformationsprozesse ist es eines der zwei Hauptziele dieser Arbeit, den Einfluss der sich innerhalb weniger Monate und Jahre vollziehenden sozioökonomischen, ökologischen und sozialräumlichen Veränderungen (z. B. Landenteignung, potentielle Umsiedlung) auf die Mensch-Umwelt-Transaktionen der betroffenen (interviewten) Einwohner von Shibi Village im Hinblick auf ihre subjektiven Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse von Stresserleben, Emotionen, Coping und Resilienz auf der Grundlage des transaktionalen Stressmodells von Lazarus eingehend zu analysieren. Im Rahmen eines interpretativ-verstehenden Forschungsdesigns, das die Methoden des problemzentrierten Interviews (mit narrativen Sequenzen) und der Autophotographie umfasst, werden die komplexen Wirkungszusammenhänge und Sinngehalte der verschiedenen Mensch-Umwelt-Transaktionen erkenntnistheoretisch aus der Perspektive der insgesamt 62 interviewten Einwohner interpretierend rekonstruiert. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich über die Jahre von 2007 bis 2011.

Aufgrund der Komplexität und Vielschichtigkeit der vorliegenden Forschungsinhalte ist es das gleichwertige Anliegen, die für diesen Beitrag relevanten Konzepte – Mensch-Umwelt-Transaktion, Zeit, Wahrnehmung, Bewertung, Emotion, Verhalten, Handeln, Stress, Coping und Resilienz – ausführlich zu diskutieren und gleichermaßen sowohl geographische als auch psychologische Ansätze aufzugreifen und somit den Mehrwert einer transdisziplinären Forschungsperspektive aufzuzeigen. Der gegenwärtigen Fachliteratur fehlt es diesbezüglich bislang an einer transdisziplinär ausgerichteten Reflexion, die jedoch als Integrationskraft zu einer disziplinübergreifend geführten „Diskurskultur“ verhelfen kann. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchungen machen deutlich, dass über intrapsychische Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsprozesse, über kognitive vorbewusste Verhaltensweisen sowie über offene (direkt beobachtbare) Handlungen eine aktive Auseinandersetzung der Interviewpartner mit ihren Umwelten erfolgt und vor allem intrapsychische problem- und emotionsfokussierte, offensive Copingformen und Persönlichkeitsvariablen wie internale Kontrollüberzeugungen oder Optimismus Stresserleben positiv beeinflussen und verstärkt zum individuellen Resilienzerleben beitragen.

Die Analyse von Stress, Emotionen, Coping und Resilienz eröffnet im Zusammenhang mit den in Bezug auf ihre Dynamik, Geschwindigkeit und Ausmaße (derzeit) weltweit einmaligen Urbanisierungsprozessen in China ein vergleichsweise junges und bislang nur unzureichend bearbeitetes Forschungsfeld, das aufgrund seiner Aktualität und auch zukünftigen Relevanz einen grundlegenden Forschungsbedarf erhebt.

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Dissertation erhältlich beim Steiner Verlag

Sandner Le Gall, V. und R. Wehrhahn (Hrsg., 2012): Geographies of Inequality in Latin America. Kieler Geographische Schriften 123. Kiel. 402 pp.

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Wehrhahn, Rainer und Alexander Tölle (Hrsg.): Aktuelle Entwicklungen in norddeutschen und westpolnischen Stadtregionen. Kieler Arbeitspapiere zur Landeskunde und Raumordnung. Heft 53. Jahrgang 2012.

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