Arbeitsgruppe Stadt- und Bevölkerungsgeographie

Forschungsprojekte

Promotionsvorhaben

Arbeitstitel: Geschlossenheit erinnern: Alltagsleben in sowjetischen geschlossenen Städten der Atomindustrie

Die Initiierung des sowjetischen Atombombenprojektes während des Zweiten Weltkriegs führte innerhalb kürzester Zeit zur Entstehung eines weit verzweigten und große Teile der Sowjetunion umspannenden „Nuklear-Archipels“ aus Uranminen, Versuchsgeländen und geschlossenen Städten. Innerhalb dieses Archipels kam den sogenannten geschlossenen Städten eine zentrale Rolle zu, da hier die Forschung, Entwicklung und Produktion rund um die militärische und friedliche Nutzung des Atoms stattfand. Solche Städte waren in der Regel durch ein besonderes Sicherheits- und Geheimhaltungsregime von der Außenwelt abgeschirmt, um eine Geheimhaltung der in ihnen stattfindenden Aktivitäten zu gewährleisten. Dies machte sie zu ganz besonderen Orten mit einer spezifischen Eigenlogik. Geschlossenheit kann dabei nach Schlegel (2006) im Hinblick auf das Alltagsleben in geschlossenen Städten konzeptionell als ein Wechselverhältnis zwischen Einschränkungen, Zwängen und Drucksituationen einerseits und Privilegien andererseits verstanden werden, das von einem besonderen Sicherheits- und Geheimhaltungsregime bestimmt wurde.

Das Promotionsvorhaben beschäftigt sich mit dem Alltagsleben in sowjetischen geschlossenen Städten der Atomindustrie an einem zentralasiatischen Beispiel und wirft damit die Frage nach der Alltagswirklichkeit und dem Leben der Stadtbevölkerung in geschlossenen Städten auf. Das Ziel der Arbeit ist es, die allgemeinen Konturen des Alltagslebens mit seinen Hauptkomponenten zu untersuchen und damit eine Mikrostudie einer ehemals geschlossenen Stadt vorzulegen.