Arbeitsgruppe Stadt- und Bevölkerungsgeographie

Forschung

Laufende Forschungsprojekte

Transnationale soziale und ökonomische Entwicklungen in deutschen und polnischen Metropolregionen

 

Die Kollaboration konzentriert sich auf die Frage, wie sich polnische und deutsche Städte und Metropolregionen unter dem Einfluss von wirtschaftlichen und sozialen Globalisierungsprozessen entwickeln. Berücksichtigt werden auch spezifische lokale Rahmenbedingungen, die Rolle der wirtschaftlichen und kulturellen Kreativität für bestimmte Stadtentwicklungsprozesse und wie sozialgeographische Perspektiven zur Entwicklung von Raumveränderungen auf verschiedenen räumlichen städtischen Ebenen beitragen können.

 

Die Forschung wird zwischen 2017 und 2019 stattfinden.

Ansprechpartner der Uni Kiel: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Ansprechpartner der Partneruniversität Poznan: Prof. Dr. Tadeusz Stryjakiewicz, Prof. Dr. Tomasz Kaczmarek Dr. hab. Anna Tobolska

Alltagspraktiken und Identitätskonstruktionen im Spannungsfeld von Geflüchtetenlagern. Überwachung, Gouvernementalität und Handlungsstrategien.

  Tobias Breuckmann forscht in seinem aktuellen Promotionsprojekt zur lokalen Aushandlung des EU-Grenzregimes im und um das Hot Spot-Camp auf Lesvos, Griechenland. Als theoretische Grundlage dient die Theorie der Gouvernementalität, der Fokus liegt entsprechend auf der gegenseitigen und dynamischen Aushandlung von Regierungspraktiken. Mit Blick der Sozial- und politischen Geographie wird speziell der Frage nachgegangen, wie Räume des Regierens (re)konstruiert werden und welche Gegenräume im Sinne eigensinniger Migrationen in Wechselwirkung geschaffen werden.
 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Tobias Breuckmann

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Die Produktion urbaner Räume in einer verstetigten Krise. Austerität, die Rekonfiguration der sozialen Reproduktion und munizipalistische Alternativen in Berlin und Barcelona.

  Die Produktion urbanen Lebens unter Krisenbedingungen ist das Resultat vielfältiger Konflikte um die Verteilung sozialen Wohlstands. Für die Kapitalseite dient die Urbanisierung der raum-zeitlichen Verschiebung von Krisen, die Politik strebt die Herstellung eines gesamtgesellschaftlichen Konsens an und viele Menschen in den Städten sind mit den alltäglichen Folgen der Krise(n) konfrontiert. Daraus entstehen auch alternative Formen der sozialen Reproduktion, des urbanen Alltags und der politischen Repräsentation. Wie der Spielraum für solche Alternativen ist und ob eine institutionalisierte Stadtpolitik abseits makroökonomischer- und politischer Handlungszwänge möglich ist, soll anhand der Beispiele Berlin und Barcelona untersucht werden.
 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Martin Sarnow

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Gelebte (Transit)Räume im Maghreb: Raumproduktionen im Kontext der EU-Grenz- und Sicherheitspolitik und der sogenannten Transitmigration

  Die irreguläre Migration aus Afrika in Richtung Europa zieht bereits seit einigen Jahrzehnten die Aufmerksamkeit zahlreicher Politiker und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen auf sich. Bei der Betrachtung dieses Prozesses stehen dabei größtenteils Europa und die damit verbundene sicherheitspolitische Perspektive im Mittelpunkt des Interesses. Auch dieses Dissertationsvorhaben wird sich mit dieser Problematik auseinandersetzen. Jedoch wird das Phänomen aus einer differenzierten Sichtweise betrachtet. Angesichts der Tatsache, dass den meisten Migranten die Überschreitung des Mittelmeeres nicht gelingt, stehen die Maghreb-Region und die Migranten im Fokus, die sich für einige Zeit in den Ländern Nordafrikas niederlassen. Die Ziele dieser sogenannten Transitmigranten sind dabei vor allem die Städte, die ihnen verschiedene Möglichkeiten bieten, ihren temporären Aufenthalt und eventuell die Weiterreise zu finanzieren. Dabei verändern die Migranten selbst die Städte, da ihnen aufgrund ihres meist undokumentierten Aufenthaltes Arbeitslosigkeit oder Beschäftigungen im irregulären Sektor drohen, was wiederum dazu führen kann, dass sich verschiedene negative Begleiterscheinungen, wie beispielsweise Schwarzarbeit, Prostitution, Drogenhandel, Menschenschmuggel und -handel in den Städten ausbreiten.
 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat

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Die Aushandlung von Enteignung. Der Kampf um Anerkennung und Öffentlichkeit im Rahmen des Staudammbaus Belo Monte, Brasilien.

 

Der Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte im Flussgebiet des Xingu, Brasilien, stellt ein Wirtschaftsmodell dar, das üblicherweise als Neumentwicklungspolitik bezeichnet wird und als das bevorzugte Entwicklungsmodell der brasilianischen politischen und wirtschaftlichen Eliten angesehen werden kann. Der Logik des "inneren Kolonialismus" folgend, zielt sie darauf ab, dünn besiedelte und periphere Regionen wie den Amazonas über neo-extraktive Mechanismen und Großprojekte in den nationalen Kapitalismus zu integrieren. Das Beispiel von Belo Monte zeigt, dass die Enteignung Tausender von Familien - hauptsächlich Fischer(wo)men bzw. Flussbewohner - nicht auf den materiellen Bereich beschränkt ist. Da sie gezwungen sind, ihre Häuser in Altamira und/oder auf den umliegenden Inseln zu verlassen, müssen sie auch ihre Lebensweise und ihre jeweiligen Identitäten, Nachbarschaften, Geschichten usw. aufgeben. Das Forschungsprojekt analysiert diese komplexen Formen der Enteignung. Basierend auf Butler und Athanasiou (2013) wird Enteignung als relationaler und multidimensionaler Prozess konzipiert. Diese Enteignungsprozesse werden jedoch nicht einseitig durchgesetzt, sondern - im Sinne von Arendts (2006[1961]) politischer Aktion und Tullys (1999) agonischem Spiel - durch verschiedene Formen streitiger Verhandlungen zwischen dem zuständigen Konsortium, den Betroffenen und anderen beteiligten Akteuren. Dabei ist der Widerstand gegen Enteignung in erster Linie ein Kampf um Anerkennung. Durch die Analyse dieser Verhandlungsformen zielt die projektierte Forschung auf eine konzeptionelle Verbesserung des Begriffs Enteignung ab, die hilft, die Komplexität solcher Großprojekte und so genannter Prozesse der entwicklungsinduzierten Vertreibung und Umsiedlung zu verstehen.

 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Sören Weißermel

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Wechselwirkungen zwischen raumorientierten Sicherheitspolitiken und alltäglichen Sicherheitspraktiken in São Paulo, Brasilien

 

In Wohngebieten der breiteren brasilianischen Mittelschicht wurde die Sicherheitspolitik intensiviert und insbesondere die technischen Sicherheitsmaßnahmen seit einigen Jahren massiv ausgeweitet. Dieser Fortschritt beeinflusst und begrenzt zunehmend die alltäglichen Handlungsmuster der städtischen Bevölkerung und verändert kommunikative und soziale Strukturen und Prozesse im städtischen Raum intensiv. In Bezug auf die Diskussion über geografische Stadt- und Sicherheitsstudien ist es das Hauptziel des Projekts, tägliche sicherheitsorientierte Maßnahmen auf der Mikroebene von Haushalten, Stadtteilen und Stadtteilen der städtischen Mittelklasse in der Stadt São Paulo (Brasilien) zu untersuchen und ihr Zusammenspiel mit öffentlichen und privaten Sicherheitspolitiken verstehen. Daher wird eine geografische Perspektive des Menschen sowohl mit akteureorientierten als auch mit praxeologischen Ansätzen verknüpft.

 

Förderung: DFG 2012-2015

Leiter des Projekts: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Forschungsassistent: Dipl.-Geogr. Dominik Haubrich

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"Neue stadtregionale Entwicklungsprozesse und Urban Governance in Mitteleuropa"

  Infos folgen...
 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

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Urbane Dynamiken: Globale Perspektiven für ein soziokulturelles Stadtmanagement

 

Derzeit sind die städtischen Gesellschaften in Europa mit massiven Herausforderungen konfrontiert: Wirtschaftskrisen haben das Risiko sozialer Verschiebung erhöht. und politische und wirtschaftliche Faktoren haben zu zunehmenden Migrationsbewegungen geführt, die heterogene Räume erzeugen. Um die Absolventen auf diese Herausforderungen vorzubereiten, zielt die Strategische Partnerschaft „Urban Dynamics“ darauf ab, eine angemessene Ausbildung im Bereich des soziokulturellen Stadtmanagements bereitzustellen. Um seine Ziele zu erreichen, hat das Projektteam der Universität Kiel ein interdisziplinäres und transnationales Netzwerk aufgebaut. Neben zwei weiteren europäischen Partnern - der Universidade de Santiago de Compostela und der Université Paris 8 - sind die lateinamerikanische Universidad del Salvador in Buenos Aires und die Universidade Federal de Pernambuco in Recife Teil des Netzwerks. Mehrere Lernaktivitäten werden die internationale Mobilität der Studierenden unterstützen und freien Zugang zu innovativen, validierbaren Unterrichtsmaterialien ermöglichen. Die Studierenden der fünf Partneruniversitäten erarbeiten anhand einer Blended-Learning-Plattform gemeinsame Fallstudien. Eine Sommerschule und eine abschließende Start-up-Akademie werden dazu beitragen, die internationale Vernetzung städtischen sozialen Unternehmertums voranzutreiben. Praktika im Ausland sind ebenfalls Bestandteil des Lehrplans.

 

Homepage des Projekts: http://www.urbandynamics.eu/

International Meetings
International Symposium März 2016,
Kiel Workshop: „Spaces of/for Urban Cultures“, Mai 2016,
Santiago (de Compostela) Workshop: „Creative Urban Politics“, 27 Mai - 1 April 2017

Praxis
Fallstudien:
  Flüchtlingsbewegungen nach Europa: Regulierung, Verteilung, Unterkunft? Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat, 
  Lernen von alternativen Räumen? M. Sc. Michael Helten
UD Internship 2016-17

Förderung
EU Erasmus+ 2015-2017

Koordinator*innen
Prof. Dr. Javier Gómez-Montero, Prof. Dr. Rainer Wehrhahn, Project Manager: Dr. Victor A. Ferretti, Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat und Dr. Corinna Hölzl

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Konstituierung transnationaler Händlernetzwerke. Sozioökonomische Organisation afrikanischer Migranten in Guangzhou/China.

  Die Megacity Guangzhou bildet im Herzen des Perlflussdeltas eines der prosperierenden Zentren der chinesischen Industrieproduktion und avancierte in den letzten vier Dekaden zum Dreh- und Angelpunkt des nationalen sowie globalen Handels. Wesentlicher Bestandteil dessen bilden sino-afrikanische Waren- und Kapitalströme, die mittels transnationaler Händlernetzwerke die steigende Nachfrage nach chinesischen Konsum- und Industriegütern auf dem afrikanischen Markt befriedigen. Einen zunehmenden Teil der Netzwerkakteure machen afrikanische Migranten aus, die sowohl formell als auch informell als selbständige Händler in der südchinesischen Handelsmetropole agieren. Ihre sozioökonomische Einbindung in sich konstituierende Netzwerkstrukturen sowie die sich daraus ergebenden Handlungsoptionen im sino-afrikanischen Wirtschaftsgefüge stehen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Dabei sollen aus einer humangeographischen Perspektive handlungstheoretische Konzepte mit institutionenbasierten, strukturellen Ansätzen zusammen geführt werden.
 


Förderung: DFG 2010-2014

Projektleiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Angelo Müller

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Urbane Konflikte in Santiago de Chile und Buenos Aires. Zum Wandel von Rahmungen und politischen Praktiken in der Stadtentwicklung durch soziale Bewegungen und Bürgerinitiativen.

  Stadtentwicklungskonflikte in Lateinamerika sind geprägt von wach­sen­den Widerständen gegen neoliberale städtische Logiken. Dabei fällt auf, dass eine Gegen­über­stellung unter­schiedlicher Widerstandsformen und der damit verbundenen poli­tischen Auswirkungen bis­lang wenig Berücksichtigung in der Forschung fand. Während mittlere (bis höhere) Einkommens­schichten mehr Mitsprache bei Themen wie bauliche Ver­dichtung und Hochhaus­bau fordern, beziehen sich die For­derungen marginalisierter Schichten auf Themen wie den Zugang zu menschenwürdigem Wohnen, Gentri­fizierung und Verdrängung. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, inwieweit urbane Konflikte zu einem Wandel von stadtpolitischen Arrangements und zu einer Emanzipierung des Städtischen in entpolitisierten urbanen Konstellationen beitragen. Dafür werden in Santiago de Chile und in Buenos Aires vier Konflikte unter­sucht. In jeder Stadt verorten sich ein Konflikt in einem Stadtteil der (oberen) Mittelschicht und ein weiterer in einem ärmeren bis sozial heterogenen Teil der Stadt. Theoretisch-konzeptuell bedient sich die Studie vor allem Ansätzen radikaler Demokratie und raumbezogener contentious politics. Um die zentrale Forschungs­frage zu beantworten, wird eine Rahmenanalyse durchgeführt.
 
Förderung: Elsa Neumann Stipendium, Exzellenzinitiative der Humboldt Universität zu Berlin: 2010-2014

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Corinna Hölzl

Analysis of Informal Dynamics in Mega Urban Areas – Based on Spatial Structure and Steering Mechanisms Focused on Water in the Pearl River Delta

  Megastädte als neue Phänomene globaler Urbanisierungsprozesse zeichnen sich zunehmend durch einen bislang nicht gekannten Verlust an Regier- und Steuerbarkeit aus mit der Folge, dass hochkomplexe megaurbane Entwicklungsprozesse in verstärktem Maße informell oder illegal ablaufen. Megastädte der Gegenwart unterliegen nicht nur einer wachsenden Konzentration von Bevölkerung, Infrastruktur, Wirtschaftskraft und Kapital bzw. einer exzessiven Beschleunigung aller Entwicklungen, sondern vor allem einer Gleichzeitigkeit und Überlagerung verschiedenster Prozesse mit wechselseitigen Rückkopplungen.

Ziel des DFG-Projektes ist es, am Beispiel des Perlflussdeltas in der südchinesischen Provinz Guangdong, Auswirkungen globalen Wandels auf die Entwicklung und Reorganisation sozioökonomischer und institutioneller Beziehungen nachzugehen und Theorie- und Modellansätze zu erarbeiten, welche zur allgemeinen Erklärung informeller Prozesse und Strukturen in Megastädten geeignet sind. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Kollegen der RWTH Aachen durchgeführt: Prof. Dr. Rafig Azzam, Lehrstuhl für Ingenieurgeologie und Hydrogeologie (Projektphasen 1-3), und Prof. Dr. Christian L. Krause, Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur (Projektphase 1).

Schwerpunktthemen Projektphase 1 (2007-2009): Globaler Wandel, In-/Formalität, soziale und ökologische Vulnerabilität, Stadt- und Regionalplanung Guangzhou/Perlflussdelta.

Schwerpunktthemen Projektphase 2 (2009-2011): Stress, Emotionen, Kognitionen und Coping im Kontext urbaner Transformationsprozesse, Schnittstelle Psychologie/Geographie, In-/Formalität.

Schwerpunktthemen Projektphase 3 (2011-2013): Resilienz, Risiko-/Schutzfaktoren, Glurbanization, Urban Governance, Inter-/Transdisziplinarität.

 

Projektleiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Mitarbeiterin: Anna Lena Bercht

Förderung: DFG-Schwerpunktprogramm 1233 "Megacities-Megachallenge – Informal Dynamics of Global Change" (Projektphasen I-III)

Zeitraum: 2007-2013

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Wohnungsteilmärkte und lokale Handlungslogiken am Beispiel studentischer Wohnungsmärkte

  In vielen deutschen Universitätsstädten kam es in den letzten Jahren zu deutlichen Anspannungen auf den Wohnungsmärkten (vgl. BBSR-Analysen KOMPAKT 09/2014). Gerade in zentralen Lagen, welche als traditionell von Studierenden bevorzugte Wohnstandorte bezeichnet werden können, sind hohe Nachfrageüberhänge zu beobachten. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der jungen Menschen, welche eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben und sich zur Aufnahme eines Studiums entscheiden, weiter zu. In den nächsten Jahren ist deswegen mit einer konstant hohen Nachfrage von Studierenden nach bezahlbarem Wohnraum auszugehen.

Auf diese Entwicklungen wird von unterschiedlicher Seite reagiert: Gemeinnützige Wohnheimanbieter planen Kapazitätserweiterungen, private Investoren erkennen "student housing" als erfolgreiche Anlageobjekte und kommunale Akteure versuchen, durch Förderprogramme die Nachfrage in bisher von studentischer Seite wenig beachtete Wohnquartiere umzuleiten. Die Handlunglogiken der beteiligten Akteursgruppen und die Folgen bezogen auf die Wohnstandortverteilung und -situation von Studierenden sind die zentralen Untersuchungsfelder dieses Forschungsprojekts.
   
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Jesko Mühlenberend
 
Wohnungsteilmärkte und lokale Governancestrukturen am Beispiel studentischer Wohnungsmärkte (Arbeitstitel) - Dissertationsvorhaben
 
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Stadterweiterung durch Großprojekte: Akteure, Interessen und Strategien am Beispiel von Santiago de Chile

 

Das Dissertationsprojekt hat die akteursorientierte Analyse der Planung von städtebaulichen Großprojekten am Stadtrand von Santiago de Chile zum Gegenstand. Wie in anderen Metropolen der Region, entstehen in Santiago seit mehreren Jahren private Großprojekte einer 'Qualität', die mit hergebrachten Mustern der Stadtentwicklung brechen. Häufig über erhebliche Mengen an internationalem Finanz- und lokal verankertem Sozialkapital verfügende private Immobilienentwickler initiieren, planen und implementieren auf der 'grünen Wiese' neue Stadtviertel als Paketlösung, d.h. Wohnprojekte für je bis zu 100.000 Einwohner mitsamt Versorgungs-, Verkehrs- und Sozialinfrastruktur. Während die zuständigen staatlichen Behörden auf regionaler und nationaler Ebene diese Form des privaten, inselhaften Städtebaus fördern und zur offiziellen Stadtentwicklungspolitik machen, haben es sowohl die lokalen Behörden in den betroffenen Bezirken als auch Anwohner und andere zivilgesellschaftliche Akteure zunehmend schwer, ihren Interessen nennenswert Gehör zu verschaffen.

Am Beispiel von zwei Kommunen, die besonders starkem Entwicklungsdruck unterliegen, und wo eine ganze Reihe von privaten Großprojekten schon entstanden oder kurz vor Baubeginn sind, werden die Interessen, Strategien und Handlungsrationalitäten der einzelnen öffentlichen und privaten Akteure im Zusammenspiel der unterschiedlichen Handlungsebenen (lokal, regional, national) untersucht. Inwiefern institutionalisiert sich in Santiago ein neuer Modus öffentlich-privater Stadtrandentwicklung, und was bedeutet dies für – in Chile auf urbaner Ebene aktiv propagierte – Grundsätze demokratischer Entscheidungsfindung wie Partizipation und Transparenz?

 

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Michael Lukas

Zentrale Publikationen siehe Mitarbeiter

Transnationale Migration: Ecuadorianer zwischen Heimat, Deutschland und Spanien

 


Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Ina v. Schlichting

Zentrale Publikationen siehe Mitarbeiter

Monographien und Sammelbände

Gilles, A. (2015): Sozialkapital, Translokalität und Wissen. Händlernetzwerke zwischen Afrika und China. Stuttgart, Franz Steiner Verlag (Erdkundliches Wissen. Schriftenreihe für Forschung und Praxis, Band 158)

 

Im Zuge wirtschaftlicher Transformationsprozesse avancierten die ostchinesischen Küstenprovinzen zu Knotenpunkten nationaler wie globaler Waren- und Kapitalströme. Vor allem die Stadt Guangzhou im Perlflussdelta entwickelte sich zu einem Zentrum exportorientierter Industrien und zu einer der am schnellsten wachsenden Metropolen der Welt. Als eine Folge aber auch als Triebkraft dieses Prozesses nehmen nicht nur intranationale Land-Stadt-Wanderungen zu – auch internationale Wanderungsbewegungen führen zu neuartigen Migrationsregimen.

Hier eröffnet die Analyse der Entstehung, Aufrechterhaltung und Transformation translokaler Händlernetzwerke zwischen Afrika und China sowie inhärenter Migrationsformen und Organisationsmechanismen ein junges und noch unzureichend bearbeitetes Forschungsfeld. Die Studie zeigt durch einen Verschnitt individualistisch-handlungstheoretischer und kollektivistisch-praktikentheoretischer Erklärungsmodelle eine relationale, sozialräumliche Perspektive auf diese Netzwerke und liefert mit der Auseinandersetzung um Ressourcen, Organisation und unternehmerische Handlungsfähigkeit einen vielschichtigen Erklärungsbeitrag für die grenzüberschreitenden Lebens- und Wirtschaftsweisen von Migranten.

  Zur Literatur

Hölzl, C. (2015): Protestbewegungen und Stadtpolitik. Urbane Konflikte in Santiago de Chile und Buenos Aires. Bielefeld.

 

In 2010, some 13,000 people occupied the second-largest park in Buenos Aires, located in the most deprived area of the city. The city and state governments reacted with violent repression leading to three deaths. After government officials promised that a housing program would be provided, the problem was viewed as “solved.” However, four years later not a single home had been built. Interpretive frames and political practices in Buenos Aires were influenced by the conflict, and this ultimately strengthened the positions of the national and local governments. This, in turn, intensified structural discrimination against lower-income groups in Buenos Aires. Thus, far from bringing about sustainable housing solutions, the occupation reinforced policies of security and sanction.

Zur Literatur

Haubrich, D. (2015): Sicher unsicher. Eine praktikentheoretische Perspektive auf die Un-/Sicherheiten der Mittelschicht in Brasilien. Bielefeld.

 

Warum werden wir immer unsicherer, obwohl wir uns immer stärker absichern? Dominik Haubrich nähert sich dieser dialektischen Frage am Beispiel der brasilianischen Metropole Sao Paulo. In einer empirisch originellen und theoretisch fundierten Erkenntnisreise durch die Alltagsgeschichten der städtischen Mittelschicht betrachtet er das gewöhnliche Tun und Sagen von Sicherheit, Gewissheit und...

Dissertation erhältlich bei Transcript Verlag

Bercht, A. L. (2013): Stresserleben, Emotionen und Coping in Guangzhou, China. Mensch-Umwelt-Transaktionen aus geographischer und psychologischer Perspektive. Stuttgart.

 

Noch vor rund 35 Jahren war die Volksrepublik China vom Ausland und von zunehmenden Globalisierungsprozessen weitestgehend politisch abgeschottet und nur marginal in den Welthandel integriert. Heute zählt China im Zuge der 1978 eingeleiteten Reform- und Öffnungspolitik zur zweitgrößten Volkswirtschaft weltweit. Bislang unbekannte Dimensionen wirtschaftlichen Wachstums, städteräumlicher Expansionen und urbaner Transformationsprozesse kennzeichnen den dynamischen Entwicklungsprozess, der sich vor allem am Beispiel der im südchinesischen Perlflussdelta gelegenen Megastadt Guangzhou vertiefend demonstrieren lässt. Vor dem Hintergrund eines stark wachsenden Positionierungs- und Profilierungsdrucks im regionalen, nationalen und internationalen Städtewettbewerb verfolgt die Stadtregierung von Guangzhou das Ziel, mit der Konstruktion der „Guangzhou South Railway Station“, dem größten Bahnhof ganz Asiens, die Stadt zu einem der wichtigsten Drehkreuze für den Personentransport Chinas aufrücken zu lassen.

Anhand dieses – in dem im periurbanen Raum gelegenen Dorf Shibi Village – durchgeführten Megaprojektes als Fallbeispiel für urbane Transformationsprozesse ist es eines der zwei Hauptziele dieser Arbeit, den Einfluss der sich innerhalb weniger Monate und Jahre vollziehenden sozioökonomischen, ökologischen und sozialräumlichen Veränderungen (z. B. Landenteignung, potentielle Umsiedlung) auf die Mensch-Umwelt-Transaktionen der betroffenen (interviewten) Einwohner von Shibi Village im Hinblick auf ihre subjektiven Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse von Stresserleben, Emotionen, Coping und Resilienz auf der Grundlage des transaktionalen Stressmodells von Lazarus eingehend zu analysieren. Im Rahmen eines interpretativ-verstehenden Forschungsdesigns, das die Methoden des problemzentrierten Interviews (mit narrativen Sequenzen) und der Autophotographie umfasst, werden die komplexen Wirkungszusammenhänge und Sinngehalte der verschiedenen Mensch-Umwelt-Transaktionen erkenntnistheoretisch aus der Perspektive der insgesamt 62 interviewten Einwohner interpretierend rekonstruiert. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich über die Jahre von 2007 bis 2011.

Aufgrund der Komplexität und Vielschichtigkeit der vorliegenden Forschungsinhalte ist es das gleichwertige Anliegen, die für diesen Beitrag relevanten Konzepte – Mensch-Umwelt-Transaktion, Zeit, Wahrnehmung, Bewertung, Emotion, Verhalten, Handeln, Stress, Coping und Resilienz – ausführlich zu diskutieren und gleichermaßen sowohl geographische als auch psychologische Ansätze aufzugreifen und somit den Mehrwert einer transdisziplinären Forschungsperspektive aufzuzeigen. Der gegenwärtigen Fachliteratur fehlt es diesbezüglich bislang an einer transdisziplinär ausgerichteten Reflexion, die jedoch als Integrationskraft zu einer disziplinübergreifend geführten „Diskurskultur“ verhelfen kann. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchungen machen deutlich, dass über intrapsychische Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsprozesse, über kognitive vorbewusste Verhaltensweisen sowie über offene (direkt beobachtbare) Handlungen eine aktive Auseinandersetzung der Interviewpartner mit ihren Umwelten erfolgt und vor allem intrapsychische problem- und emotionsfokussierte, offensive Copingformen und Persönlichkeitsvariablen wie internale Kontrollüberzeugungen oder Optimismus Stresserleben positiv beeinflussen und verstärkt zum individuellen Resilienzerleben beitragen.

Die Analyse von Stress, Emotionen, Coping und Resilienz eröffnet im Zusammenhang mit den in Bezug auf ihre Dynamik, Geschwindigkeit und Ausmaße (derzeit) weltweit einmaligen Urbanisierungsprozessen in China ein vergleichsweise junges und bislang nur unzureichend bearbeitetes Forschungsfeld, das aufgrund seiner Aktualität und auch zukünftigen Relevanz einen grundlegenden Forschungsbedarf erhebt.

 

Inhaltsverzeichnis

Dissertation erhältlich beim Steiner Verlag

Wehrhahn, Rainer und Alexander Tölle (Hrsg.): Aktuelle Entwicklungen in norddeutschen und westpolnischen Stadtregionen. Kieler Arbeitspapiere zur Landeskunde und Raumordnung. Heft 53. Jahrgang 2012.

 


Inhaltsverzeichnis

Zu bestellen unter: Kieler Arbeitspapiere Heft 53