Arbeitsgruppe Stadt- und Bevölkerungsgeographie

Laufende Forschungsprojekte

Urbane Dynamiken: Globale Perspektiven für ein soziokulturelles Stadtmanagement

Gegenwärtig sehen sich die urbanen Gesellschaften Europas mit massiven Herausforderungen konfrontiert: Ökonomische Krisen erhöhen das Risiko sozialer Brüche, politische Konflikte und ökonomische Gründe bewirken wachsende Migrationsströme, die heterogene Räume erwirken. Um HochschulabsolventInnen darauf besser vorzubereiten, möchte die Strategische Partnerschaft „Urban Dynamics“ die Kompetenzen im Bereich des Managements urbaner Interaktionsdynamiken ausbauen. Dafür arbeitet das Projektteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit einem interdisziplinären und transnationalen Netzwerk. Neben den europäischen Partneruniversitäten Universidade de Santiago de Compostela und Université Paris 8 sind aus Lateinamerika die Universidad del Salvador in Buenos Aires und die Universidade Federal de Pernambuco im brasilianischen Recife beteiligt. Verschiedene Lernaktivitäten unterstützen die internationale Mobilität Studierender und schaffen freien Zugang zu innovativen, validierbaren Bildungsmaterialien. Die Studierenden der fünf Partner-Universitäten arbeiten über eine „Blended-Learning-Plattform“ an gemeinsamen Studienprojekten. Mithilfe einer Sommerschule und anschließender Gründerakademie soll die internationale Vernetzung von engagierten Menschen vorangetrieben werden, die in urbanen Kontexten soziale und kulturelle Projekte oder Unternehmen starten wollen. Auch Berufspraktika im Ausland sind Bestandteil des Curriculums.

Zum Projekt: http://www.urbandynamics.eu/

Internationale Treffen
International Symposium in Paris, März 2016,
Kiel Workshop: „Spaces of/for Urban Cultures“, Mai 2016,
Santiago (de Compostela) Workshop „Creative Urban Politics“ 27. März - 01. April 2017

Praktische Übungen
Case Studies:
  Refugee Movements to Europe: Regulation, Distribution, Accommodation? Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat,
  Learning from alternative Spaces? M. Sc. Michael Helten
UD Praktika 2016-17

Förderung
EU Erasmus+ 2015-2017

Koordination 
Prof. Dr. Javier Gómez-Montero, Prof. Dr. Rainer Wehrhahn, Projektmanager Dr. Victor A. Ferretti, Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat und Dr. Corinna Hölzl

Transnationale soziale und ökonomische Entwicklungen in deutschen und polnischen Metropolregionen

Bei der Zusammenarbeit geht es um die Fragestellungen, wie sich polnische und deutsche Städte und Metropolregionen unter dem Einfluss von ökonomischen und sozialen Globalisierungsprozessen sowie spezifischen lokalen Rahmenbedingungen entwickeln, welche Rolle ökonomische und kulturelle Kreativität für spezifische Stadtentwicklungsprozesse spielen und wie sozialgeographische Perspektiven dazu beitragen können, raumzeitliche Veränderungen auf verschiedenen räumlichen Stadtebenen zu erklären.

Projektlaufzeit: 2017 bis 2019

Projektleitung: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn (CAU Kiel), zusammen mit Prof. Dr. Tadeusz Stryjakiewicz, Prof. Dr. Tomasz Kaczmarek, Dr. Anna Tobolska (AMU Poznan)

Wechselwirkungen zwischen raumorientierten Sicherheitspolitiken und alltäglichen Sicherheitspraktiken in São Paulo, Brasilien

In Wohnsiedlungen der breiten brasilianischen Mittelschicht werden seit einigen Jahren die Sicherheitspolitiken intensiviert und vor allem technische Sicherheitsmaßnahmen massiv ausgeweitet. Diese Entwicklung beeinflusst und beschränkt tägliche Handlungsmuster der urbanen Bevölkerung zunehmend und verändert die kommunikativen und sozialen Strukturen und Prozesse im lokalen städtischen Raum tiefgreifend. In Anlehnung an die Diskussion der geographischen Stadt- und Sicherheitsforschung ist es die Hauptzielsetzung des Projektes auf mikroskaliger Ebene von Haushalten, Nachbarschaften und Quartieren der urbanen Mittelschicht innerhalb der Kommune São Paulo (Brasilien) alltägliche sicherheitsbezogene Handlungen zu untersuchen und deren Wechselwirkungen mit öffentlichen und privaten Sicherheitspolitiken zu verstehen. Dabei sollen aus humangeographischer Perspektive sowohl akteurszentrierte als auch praxeologische Ansätze miteinander verknüpft werden.

Förderung: DFG 2012-2017

Projektleiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Dominik Haubrich

Zentrale Publikationen siehe Mitarbeiter

Transitmigranten in den Städten des Maghrebs

Die irreguläre Migration aus Afrika in Richtung Europa zieht bereits seit einigen Jahrzehnten die Aufmerksamkeit zahlreicher Politiker und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen auf sich. Bei der Betrachtung dieses Prozesses stehen dabei größtenteils Europa und die damit verbundene sicherheitspolitische Perspektive im Mittelpunkt des Interesses. Auch dieses Dissertationsvorhaben wird sich mit dieser Problematik auseinandersetzen. Jedoch wird das Phänomen aus einer differenzierten Sichtweise betrachtet. Angesichts der Tatsache, dass den meisten Migranten die Überschreitung des Mittelmeeres nicht gelingt, stehen die Maghreb-Region und die Migranten im Fokus, die sich für einige Zeit in den Ländern Nordafrikas niederlassen. Die Ziele dieser sogenannten Transitmigranten sind dabei vor allem die Städte, die ihnen verschiedene Möglichkeiten bieten, ihren temporären Aufenthalt und eventuell die Weiterreise zu finanzieren. Dabei verändern die Migranten selbst die Städte, da ihnen aufgrund ihres meist undokumentierten Aufenthaltes Arbeitslosigkeit oder Beschäftigungen im irregulären Sektor drohen, was wiederum dazu führen kann, dass sich verschiedene negative Begleiterscheinungen, wie beispielsweise Schwarzarbeit, Prostitution, Drogenhandel, Menschenschmuggel und -handel in den Städten ausbreiten.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat

Zentrale Publikationen siehe Mitarbeiter

Konstituierung transnationaler Händlernetzwerke. Sozioökonomische Organisation afrikanischer Migranten in Guangzhou/China.

Die Megacity Guangzhou bildet im Herzen des Perlflussdeltas eines der prosperierenden Zentren der chinesischen Industrieproduktion und avancierte in den letzten vier Dekaden zum Dreh- und Angelpunkt des nationalen sowie globalen Handels. Wesentlicher Bestandteil dessen bilden sino-afrikanische Waren- und Kapitalströme, die mittels transnationaler Händlernetzwerke die steigende Nachfrage nach chinesischen Konsum- und Industriegütern auf dem afrikanischen Markt befriedigen. Einen zunehmenden Teil der Netzwerkakteure machen afrikanische Migranten aus, die sowohl formell als auch informell als selbständige Händler in der südchinesischen Handelsmetropole agieren. Ihre sozioökonomische Einbindung in sich konstituierende Netzwerkstrukturen sowie die sich daraus ergebenden Handlungsoptionen im sino-afrikanischen Wirtschaftsgefüge stehen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Dabei sollen aus einer humangeographischen Perspektive handlungstheoretische Konzepte mit institutionenbasierten, strukturellen Ansätzen zusammen geführt werden.

Förderung: DFG 2010-2014

 

Projektleiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Angelo Müller

Zentrale Publikationen siehe Mitarbeiter

Wohnungsteilmärkte und lokale Handlungslogiken am Beispiel studentischer Wohnungsmärkte

In vielen deutschen Universitätsstädten kam es in den letzten Jahren zu deutlichen Anspannungen auf den Wohnungsmärkten (vgl. BBSR-Analysen KOMPAKT 09/2014). Gerade in zentralen Lagen, welche als traditionell von Studierenden bevorzugte Wohnstandorte bezeichnet werden können, sind hohe Nachfrageüberhänge zu beobachten. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der jungen Menschen, welche eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben und sich zur Aufnahme eines Studiums entscheiden, weiter zu. In den nächsten Jahren ist deswegen mit einer konstant hohen Nachfrage von Studierenden nach bezahlbarem Wohnraum auszugehen.

Auf diese Entwicklungen wird von unterschiedlicher Seite reagiert: Gemeinnützige Wohnheimanbieter planen Kapazitätserweiterungen, private Investoren erkennen "student housing" als erfolgreiche Anlageobjekte und kommunale Akteure versuchen, durch Förderprogramme die Nachfrage in bisher von studentischer Seite wenig beachtete Wohnquartiere umzuleiten. Die Handlunglogiken der beteiligten Akteursgruppen und die Folgen bezogen auf die Wohnstandortverteilung und -situation von Studierenden sind die zentralen Untersuchungsfelder dieses Forschungsprojekts.
 
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Jesko Mühlenberend
 
Wohnungsteilmärkte und lokale Governancestrukturen am Beispiel studentischer Wohnungsmärkte (Arbeitstitel) - Dissertationsvorhaben Dipl.-Geogr. Jesko Mühlenberend
 
Zentrale Publikationen siehe Mitarbeiter

Die Aushandlung von Enteignung am Beispiel des Konflikts um das Wasserkraftwerk Belo Monte (Pará, Brasilien)

Der Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte in der Ebene des Xingu-Flusses, nahe der Stadt Altamira im brasilianischen Bundesstaat Pará, ist Sinnbild des Neo-developmentalism, einem Entwicklungsmodell der politischen und ökonomischen Elite des Landes. Es setzt auf Großprojekte in peripheren aber ressourcenreichen Regionen wie dem Amazonasgebiet, um diese entsprechend der Logik des „internal colonialism“ über Mechanismen des Neo-Extraktivismus in den nationalen Kapitalismus zu integrieren. Das Beispiel Belo Monte verdeutlicht, dass die Enteignung tausender Familien – zum großen Teil Fischer*innen, bzw. Ribeirinhos – nicht bloß materielle Elemente umfasst. Indem sie ihre Häuser in der Stadt Altamira und/oder auf den umgebenden Inseln verlassen müssen, sind sie gezwungen, ihre bisherige Lebensform zu beenden und entsprechende Identitäten, Nachbarschaftsbeziehungen, Geschichten u.a. hinter sich zu lassen. Das Dissertationsvorhaben analysiert diese komplexen Formen der Enteignung. Basierend auf Butler und Athanasiou (2013) wird Enteignung dabei als relationaler und multidimensionaler Prozess  konzeptualisiert, der in Strukturen der Alterität eingebunden ist und somit nicht einseitig, sondern im Sinne von Arendts (2006[1961]) politischem Handeln und Tullys (1999) agonic game über Aushandlungen zwischen dem Baukonsortium und den Betroffenen sowie weiteren involvierten Akteur*innen geschieht. Widerstand gegen Enteignung ist dabei primär ein Kampf um Anerkennung. Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, anhand der Untersuchung dieser Aushandlungsprozesse den Enteignungsbegriff entsprechend der Komplexität großer Entwicklungsprojekte konzeptionell zu erweitern.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Sören Weißermel

Zentrale Publikationen siehe Mitarbeiter

Urbane Konflikte in Santiago de Chile und Buenos Aires. Zum Wandel von Rahmungen und politischen Praktiken in der Stadtentwicklung durch soziale Bewegungen und Bürgerinitiativen.

Stadtentwicklungskonflikte in Lateinamerika sind geprägt von wach­sen­den Widerständen gegen neoliberale städtische Logiken. Dabei fällt auf, dass eine Gegen­über­stellung unter­schiedlicher Widerstandsformen und der damit verbundenen poli­tischen Auswirkungen bis­lang wenig Berücksichtigung in der Forschung fand. Während mittlere (bis höhere) Einkommens­schichten mehr Mitsprache bei Themen wie bauliche Ver­dichtung und Hochhaus­bau fordern, beziehen sich die For­derungen marginalisierter Schichten auf Themen wie den Zugang zu menschenwürdigem Wohnen, Gentri­fizierung und Verdrängung. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, inwieweit urbane Konflikte zu einem Wandel von stadtpolitischen Arrangements und zu einer Emanzipierung des Städtischen in entpolitisierten urbanen Konstellationen beitragen. Dafür werden in Santiago de Chile und in Buenos Aires vier Konflikte unter­sucht. In jeder Stadt verorten sich ein Konflikt in einem Stadtteil der (oberen) Mittelschicht und ein weiterer in einem ärmeren bis sozial heterogenen Teil der Stadt. Theoretisch-konzeptuell bedient sich die Studie vor allem Ansätzen radikaler Demokratie und raumbezogener contentious politics. Um die zentrale Forschungs­frage zu beantworten, wird eine Rahmenanalyse durchgeführt.

Förderung: Elsa Neumann Stipendium, Exzellenzinitiative der Humboldt Universität zu Berlin: 2010-2014

Wissenschaftliche Mitarbeiterin --> Dr. Corinna Hölzl

"Transnationale Vernetzung von Städten und Regionen in West- und Mittelosteuropa"

Förderung: DAAD (2014-2016)

Projektleiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn (CAU Kiel) und Dr. Alexander Tölle (Universität Poznan)

Zentrale Publikationen siehe Mitarbeiter