Arbeitsgruppe Stadt- und Bevölkerungsgeographie

Transnationale soziale und ökonomische Entwicklungen in deutschen und polnischen Metropolregionen

 

Die Kollaboration konzentriert sich auf die Frage, wie sich polnische und deutsche Städte und Metropolregionen unter dem Einfluss von wirtschaftlichen und sozialen Globalisierungsprozessen entwickeln. Berücksichtigt werden auch spezifische lokale Rahmenbedingungen, die Rolle der wirtschaftlichen und kulturellen Kreativität für bestimmte Stadtentwicklungsprozesse und wie sozialgeographische Perspektiven zur Entwicklung von Raumveränderungen auf verschiedenen räumlichen städtischen Ebenen beitragen können.

 

Die Forschung wird zwischen 2017 und 2019 stattfinden.

Ansprechpartner der Uni Kiel: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Ansprechpartner der Partneruniversität Poznan: Prof. Dr. Tadeusz Stryjakiewicz, Prof. Dr. Tomasz Kaczmarek Dr. hab. Anna Tobolska

Alltagspraktiken und Identitätskonstruktionen im Spannungsfeld von Geflüchtetenlagern. Überwachung, Gouvernementalität und Handlungsstrategien.

  Tobias Breuckmann forscht in seinem aktuellen Promotionsprojekt zur lokalen Aushandlung des EU-Grenzregimes im und um das Hot Spot-Camp auf Lesvos, Griechenland. Als theoretische Grundlage dient die Theorie der Gouvernementalität, der Fokus liegt entsprechend auf der gegenseitigen und dynamischen Aushandlung von Regierungspraktiken. Mit Blick der Sozial- und politischen Geographie wird speziell der Frage nachgegangen, wie Räume des Regierens (re)konstruiert werden und welche Gegenräume im Sinne eigensinniger Migrationen in Wechselwirkung geschaffen werden.
 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Tobias Breuckmann

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Die Produktion urbaner Räume in einer verstetigten Krise. Austerität, die Rekonfiguration der sozialen Reproduktion und munizipalistische Alternativen in Berlin und Barcelona.

  Die Produktion urbanen Lebens unter Krisenbedingungen ist das Resultat vielfältiger Konflikte um die Verteilung sozialen Wohlstands. Für die Kapitalseite dient die Urbanisierung der raum-zeitlichen Verschiebung von Krisen, die Politik strebt die Herstellung eines gesamtgesellschaftlichen Konsens an und viele Menschen in den Städten sind mit den alltäglichen Folgen der Krise(n) konfrontiert. Daraus entstehen auch alternative Formen der sozialen Reproduktion, des urbanen Alltags und der politischen Repräsentation. Wie der Spielraum für solche Alternativen ist und ob eine institutionalisierte Stadtpolitik abseits makroökonomischer- und politischer Handlungszwänge möglich ist, soll anhand der Beispiele Berlin und Barcelona untersucht werden.
 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Martin Sarnow

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Gelebte (Transit)Räume im Maghreb: Raumproduktionen im Kontext der EU-Grenz- und Sicherheitspolitik und der sogenannten Transitmigration

  Die irreguläre Migration aus Afrika in Richtung Europa zieht bereits seit einigen Jahrzehnten die Aufmerksamkeit zahlreicher Politiker und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen auf sich. Bei der Betrachtung dieses Prozesses stehen dabei größtenteils Europa und die damit verbundene sicherheitspolitische Perspektive im Mittelpunkt des Interesses. Auch dieses Dissertationsvorhaben wird sich mit dieser Problematik auseinandersetzen. Jedoch wird das Phänomen aus einer differenzierten Sichtweise betrachtet. Angesichts der Tatsache, dass den meisten Migranten die Überschreitung des Mittelmeeres nicht gelingt, stehen die Maghreb-Region und die Migranten im Fokus, die sich für einige Zeit in den Ländern Nordafrikas niederlassen. Die Ziele dieser sogenannten Transitmigranten sind dabei vor allem die Städte, die ihnen verschiedene Möglichkeiten bieten, ihren temporären Aufenthalt und eventuell die Weiterreise zu finanzieren. Dabei verändern die Migranten selbst die Städte, da ihnen aufgrund ihres meist undokumentierten Aufenthaltes Arbeitslosigkeit oder Beschäftigungen im irregulären Sektor drohen, was wiederum dazu führen kann, dass sich verschiedene negative Begleiterscheinungen, wie beispielsweise Schwarzarbeit, Prostitution, Drogenhandel, Menschenschmuggel und -handel in den Städten ausbreiten.
 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat

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Die Aushandlung von Enteignung. Der Kampf um Anerkennung und Öffentlichkeit im Rahmen des Staudammbaus Belo Monte, Brasilien.

 

Der Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte im Flussgebiet des Xingu, Brasilien, stellt ein Wirtschaftsmodell dar, das üblicherweise als Neumentwicklungspolitik bezeichnet wird und als das bevorzugte Entwicklungsmodell der brasilianischen politischen und wirtschaftlichen Eliten angesehen werden kann. Der Logik des "inneren Kolonialismus" folgend, zielt sie darauf ab, dünn besiedelte und periphere Regionen wie den Amazonas über neo-extraktive Mechanismen und Großprojekte in den nationalen Kapitalismus zu integrieren. Das Beispiel von Belo Monte zeigt, dass die Enteignung Tausender von Familien - hauptsächlich Fischer(wo)men bzw. Flussbewohner - nicht auf den materiellen Bereich beschränkt ist. Da sie gezwungen sind, ihre Häuser in Altamira und/oder auf den umliegenden Inseln zu verlassen, müssen sie auch ihre Lebensweise und ihre jeweiligen Identitäten, Nachbarschaften, Geschichten usw. aufgeben. Das Forschungsprojekt analysiert diese komplexen Formen der Enteignung. Basierend auf Butler und Athanasiou (2013) wird Enteignung als relationaler und multidimensionaler Prozess konzipiert. Diese Enteignungsprozesse werden jedoch nicht einseitig durchgesetzt, sondern - im Sinne von Arendts (2006[1961]) politischer Aktion und Tullys (1999) agonischem Spiel - durch verschiedene Formen streitiger Verhandlungen zwischen dem zuständigen Konsortium, den Betroffenen und anderen beteiligten Akteuren. Dabei ist der Widerstand gegen Enteignung in erster Linie ein Kampf um Anerkennung. Durch die Analyse dieser Verhandlungsformen zielt die projektierte Forschung auf eine konzeptionelle Verbesserung des Begriffs Enteignung ab, die hilft, die Komplexität solcher Großprojekte und so genannter Prozesse der entwicklungsinduzierten Vertreibung und Umsiedlung zu verstehen.

 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Sören Weißermel

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Wechselwirkungen zwischen raumorientierten Sicherheitspolitiken und alltäglichen Sicherheitspraktiken in São Paulo, Brasilien

 

In Wohngebieten der breiteren brasilianischen Mittelschicht wurde die Sicherheitspolitik intensiviert und insbesondere die technischen Sicherheitsmaßnahmen seit einigen Jahren massiv ausgeweitet. Dieser Fortschritt beeinflusst und begrenzt zunehmend die alltäglichen Handlungsmuster der städtischen Bevölkerung und verändert kommunikative und soziale Strukturen und Prozesse im städtischen Raum intensiv. In Bezug auf die Diskussion über geografische Stadt- und Sicherheitsstudien ist es das Hauptziel des Projekts, tägliche sicherheitsorientierte Maßnahmen auf der Mikroebene von Haushalten, Stadtteilen und Stadtteilen der städtischen Mittelklasse in der Stadt São Paulo (Brasilien) zu untersuchen und ihr Zusammenspiel mit öffentlichen und privaten Sicherheitspolitiken verstehen. Daher wird eine geografische Perspektive des Menschen sowohl mit akteureorientierten als auch mit praxeologischen Ansätzen verknüpft.

 

Förderung: DFG 2012-2015

Leiter des Projekts: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

Forschungsassistent: Dipl.-Geogr. Dominik Haubrich

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"Neue stadtregionale Entwicklungsprozesse und Urban Governance in Mitteleuropa"

  Infos folgen...
 


Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Prof. Dr. Rainer Wehrhahn

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Urbane Dynamiken: Globale Perspektiven für ein soziokulturelles Stadtmanagement

 

Derzeit sind die städtischen Gesellschaften in Europa mit massiven Herausforderungen konfrontiert: Wirtschaftskrisen haben das Risiko sozialer Verschiebung erhöht. und politische und wirtschaftliche Faktoren haben zu zunehmenden Migrationsbewegungen geführt, die heterogene Räume erzeugen. Um die Absolventen auf diese Herausforderungen vorzubereiten, zielt die Strategische Partnerschaft „Urban Dynamics“ darauf ab, eine angemessene Ausbildung im Bereich des soziokulturellen Stadtmanagements bereitzustellen. Um seine Ziele zu erreichen, hat das Projektteam der Universität Kiel ein interdisziplinäres und transnationales Netzwerk aufgebaut. Neben zwei weiteren europäischen Partnern - der Universidade de Santiago de Compostela und der Université Paris 8 - sind die lateinamerikanische Universidad del Salvador in Buenos Aires und die Universidade Federal de Pernambuco in Recife Teil des Netzwerks. Mehrere Lernaktivitäten werden die internationale Mobilität der Studierenden unterstützen und freien Zugang zu innovativen, validierbaren Unterrichtsmaterialien ermöglichen. Die Studierenden der fünf Partneruniversitäten erarbeiten anhand einer Blended-Learning-Plattform gemeinsame Fallstudien. Eine Sommerschule und eine abschließende Start-up-Akademie werden dazu beitragen, die internationale Vernetzung städtischen sozialen Unternehmertums voranzutreiben. Praktika im Ausland sind ebenfalls Bestandteil des Lehrplans.

 

Homepage des Projekts: http://www.urbandynamics.eu/

International Meetings
International Symposium März 2016,
Kiel Workshop: „Spaces of/for Urban Cultures“, Mai 2016,
Santiago (de Compostela) Workshop: „Creative Urban Politics“, 27 Mai - 1 April 2017

Praxis
Fallstudien:
  Flüchtlingsbewegungen nach Europa: Regulierung, Verteilung, Unterkunft? Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat, 
  Lernen von alternativen Räumen? M. Sc. Michael Helten
UD Internship 2016-17

Förderung
EU Erasmus+ 2015-2017

Koordinator*innen
Prof. Dr. Javier Gómez-Montero, Prof. Dr. Rainer Wehrhahn, Project Manager: Dr. Victor A. Ferretti, Dipl.-Geogr. Zine-Eddine Hathat und Dr. Corinna Hölzl